Kann ein Wolkenkratzer aus Beton die Fluidität der Natur zurückgewinnen?
In Mississauga, dem Finanzzentrum im Umland von Toronto, entstanden im Jahr 2012 die Absolute Towers als ein Akt der Rebellion gegen die Monotonie des „International Style“. In einer Ära, in der Städte zu Katalogen aus Glas- und Stahlboxen geworden sind, entschied sich dieses Projekt von MAD Architects, die gerade Linie bewusst zu ignorieren.
Es handelt sich hierbei nicht um eine bloße ästhetische Spielerei, sondern um eine kritische Antwort auf die Stadtplanung. Während die meisten modernen Wolkenkratzer als mechanische „Wohnmaschinen“ konzipiert werden, wurden die Absolute World Towers als lebendige Organismen verstanden. Ihr Entwurf zielt darauf ab, die Sinne zu wecken und die Konzepte von Formweichheit und biophiler Verbindung in eine hochverdichtete urbane Umgebung wiedereinzuführen.
Wir wollten, dass die Türme keine Wohnmaschine sind, sondern etwas Lebendiges. Mit diesem Projekt versuchten wir, die emotionale Verbindung zwischen dem Bürger und der Natur durch die Kurve wiederherzustellen. — Ma Yansong (MAD Architects)
Designphilosophie: Der emotionale Wolkenkratzer
Der Entwurf bricht mit der traditionellen Orthogonalität, um das Nutzererlebnis in den Vordergrund zu stellen.
Organizismus vs. Mechanismus: Das Konzept rückt von der Starrheit ab, um eine emotionale Bindung aufzubauen. Der Einsatz anthropomorpher Kurven humanisiert die Struktur und erlaubt es dem Gebäude, visuell mit Wind und Licht zu „tanzen“.
Tragwerk und Ingenieurbau: Die Herausforderung der Torsion
Die Fluidität vom Papier in die bauliche Realität zu übertragen, erforderte eine ingenieurtechnische Glanzleistung von Sigmund, Soudack & Associates Inc.
Der Master-Kern: Es wurde ein hochsteifer Stahlbetonkern entworfen, um lasteffektiv die Torsionskräfte aufzunehmen. Im Gegensatz zu dem, was die geschwungene Silhouette vermuten lässt, ist dieser zentrale Erschließungskern ein einfaches, orthogonales Rechteck. Die Genialität des Projekts liegt darin, dieses statische Rückgrat konventionell und wirtschaftlich zu halten, während die Rotation ausschließlich in der „Gebäudehülle“ (den Deckenplatten und Balkonen) stattfindet, was die Baukosten drastisch optimierte.
Rotation von Deckenplatten und Stützen: Da jedes Stockwerk eine einzigartige Form und Fläche aufweist, können die Außenstützen nicht kontinuierlich vertikal verlaufen. Das Gebäude nutzt sogenannte „Walking Columns“ (mitwandernde Stützen), die sich von Ebene zu Ebene rhythmisch verschieben. Die Lasten werden im Zuge des Gebäudeaufstiegs inkrementell abgeleitet – eine rechnerische Meisterleistung, die die Analogie des lebendigen Organismus unterstreicht: Das Tragwerk ist kein starres Skelett, sondern ein System, das sich anpasst und gen Himmel „entwickelt“.
Schnitt der Absolute Towers: Beide orthogonalen Kerne fungieren als steife Achsen, welche die unabhängige Rotation der Deckenplatten tragen und es den Strukturen erlauben, sich zu organischen Formen zu entfalten. Diese interne Logik ist es, die ihre Silhouetten befreit und den Beton in anthropomorphe Gestalten verwandelt, die miteinander und mit ihrer Umgebung interagieren.
Um die Absolute Towers zu verstehen, muss man begreifen, dass sie nicht als starre Gebäude, sondern als Organismen entworfen wurden. Ihr „Organizismus“ manifestiert sich in vier fundamentalen Säulen:
Die Form als lebendiger Organismus: Das Gebäude ist kein industrielles Gefüge aus rechteckigen Bauteilen, sondern eine Struktur, die unter dem Einfluss natürlicher Kräfte gewachsen zu sein scheint – vergleichbar mit dem Fluss des Wassers oder dem Wachstum einer Pflanze.
Anthropomorphismus und sensorischer Maßstab: Durch die Verwendung von Kurven, die an die menschliche Silhouette erinnern – was dem Projekt den populären Spitznamen „Marilyn Monroe Towers“ einbrachte – bricht der Entwurf mit der urbanen Entfremdung. Die organische Architektur zielt darauf ab, dass der Bewohner nicht in einem „Kasten“ lebt, sondern in einer Umgebung, die atmet und sich an seinen sensorischen sowie emotionalen Maßstab anpasst. Dies ermöglicht ein direktes Zusammenleben mit dem Außenraum über die umlaufenden Balkone.
Symbiose und passive Biophilie: Das Gebäude nutzt seine 360°-Balkone als schützende „Haut“. Ähnlich wie ein Organismus seine Temperatur reguliert, steuern diese Auskragungen die Sonneneinstrahlung und den Wärmeeintrag auf natürliche Weise und heben die Barriere zwischen dem Innenraum und der Außenlandschaft auf.
Dynamische Rotationsachse: Die Organisation basiert auf einer zentralen Achse, um die sich die Geschossebenen unabhängig voneinander drehen. Dadurch entsteht eine Silhouette, die sich je nach Blickwinkel radikal verändert und jeder Wohneinheit eine einzigartige Beziehung zu Licht und Landschaft ermöglicht.
Von der Geometrie zum Leben: Der Rotationsprozess
Die Fluidität der Absolute Towers entspringt nicht dem Chaos, sondern einer strengen geometrischen Progression. Wie im Diagramm der formalen Evolution zu sehen ist, basiert der Entwurf auf einer perfekten Ellipse, die sich auf jeder Ebene repliziert und verdreht:
Basisellipse: Ein konstanter elliptischer Grundriss wird genutzt, um die Aussicht und den Einfall von natürlichem Tageslicht zu maximieren.
Unabhängige Rotation: Jede Deckenplatte dreht sich im Verhältnis zur zentralen Achse, was beim höchsten Turm zu einer Gesamtrotation von bis zu 209° führt.
Erzeugung der Oberfläche: Durch das Verbinden dieser rotierten Ellipsen ist die Fassade keine flache Wand mehr, sondern transformiert sich in eine kurvige, dynamische Oberfläche, welche die Luxusapartments umhüllt; skulpturale Architektur in Reinform.
Slab Surfaces (Plattenoberflächen): Diese Logik sorgt dafür, dass die Balkone (die entlang des gesamten Perimeters kontinuierlich verlaufen) als passive Sonnenschutzelemente wirken und so die Energieeffizienz des gesamten Komplexes verbessern.
Technische Notiz: Diese Rotation ist es, welche die Außenstützen zu einer rhythmischen Verschiebung zwingt (das Konzept der Walking Columns), während die orthogonalen Kerne als feste Verankerung dienen, die den Rest des Gebäudes „tanzen“ lässt.
In Mississauga gelegen, unweit der Skyline von Toronto mit dem ikonischen, das Stadtbild dominierenden CN Tower, stechen die Absolute Towers von MAD Architects hervor. Sie führen die Kurve als organische Geste ein, die der Starrheit der kanadischen Stadtlandschaft trotzt.
Aerodynamisches Verhalten: Ihre aerodynamischen Formen „verwirren“ den Wind und eliminieren den Effekt der Kármánschen Wirbelstraße (Vortex Shedding), der bei prismatischen Türmen häufig auftritt. Diese geschwungene Geometrie reduziert die Windlasten im Vergleich zu einem rechteckigen Wolkenkratzer um 25–30 %. Dies ist nicht nur effizient, sondern ermöglichte auch den Einsatz von deutlich weniger Baustahl und Bewehrungsbeton, was beweist, dass organische Schönheit letztlich eine technische Optimierung darstellt.
Die Herausforderung lag in der ständigen Variation. Wir mussten einen extrem steifen Betonkern entwerfen, der in der Lage ist, die Torsionskräfte aufzunehmen, die durch die Deckenplatten entstehen, welche sich um bis zu 8 Grad pro Stockwerk verdrehen. — Sigmund Soudack (Tragwerksplaner)
Rotation von Deckenplatten und Stützen: Da jedes Stockwerk ein Unikat ist, verschieben sich die Außenstützen rhythmisch in einem System „mitwandernder Stützen“ (Walking Columns), was eine konstante Berechnung der vertikalen Lastweiterleitung erfordert.
Aerodynamische Effizienz: Die organischen Silhouetten sind kein visueller Geniestreich aus einer Laune heraus; ihre aerodynamische Form „verwirren“ den Wind und reduzieren die Horizontallasten um fast 30 %. Dies erlaubte es, die Menge an Baustahl zu optimieren, was zeigt, dass die organische Form weitaus effizienter als die orthogonale sein kann.
Fassade und Nachhaltigkeit: Die entmaterialisierte Haut
Die Fassade geht weit über das Visuelle hinaus und fungiert als aktives Klimasteuerungselement.
Kontinuierliche 360°-Balkone: Sie ermöglichen eine ununterbrochene Verbindung zum Außenraum, demokratisieren den Zugang zu Luft und Licht und eliminieren die für konventionelle Wolkenkratzer typischen vertikalen Barrieren.
Die thermische Herausforderung bei Extremklima: Um diese „Skulpturen“ im Winter von Toronto realisierbar zu machen, wurden tragende Wärmedämmelemente (Schöck Isokorb) integriert. Diese Bauteile trennen den Beton des Balkons thermisch von der innenliegenden Deckenplatte durch eine hochdichte Dämmung, während der strukturelle Zusammenhalt ausschließlich über Edelstahlstäbe gewahrt bleibt. Dadurch wird die Wärmebrücke (Kältebrücke) eliminiert, was verhindert, dass die Balkone als Kühlkörper wirken und die Energieeffizienz des Innenraums gefährden.
Passive Nachhaltigkeit (Brise-Soleil-Strategie): Die Balkone fungieren als umlaufendes Brise-Soleil mit variabler Geometrie. Durch ihre Auskragung dienen sie als tiefer Sonnenschutz: Sie verschatten die Verglasung im Sommer (was die Kühllast drastisch reduziert) und erlauben es der tiefstehenden Winter-Sonneneinstrahlung, in die Räume einzudringen, um von den natürlichen solaren Wärmegewinnen zu profitieren.
Technische Daten und Projektbeteiligte: Röntgenaufnahme einer Ikone
Projekt
Absolute World Towers (Phase IV und V)
Standort
Mississauga, Ontario, Kanada
Architektur (Entwurf)
MAD Architects (Ma Yansong, Yosuke Hayano, Dang Qun)
Lokaler Partner (AOR)
Burka Architects Inc.
Tragwerksplanung
Sigmund Soudack & Associates Inc.
Höhe / Geschosse
Turm 1: 175,6 m (56 oberirdische Geschosse) / Turm 2: 158 m (50 oberirdische Geschosse)
Gesamtrotation
Turm 1: 209° / Turm 2: 80°
Chronologie
2006 (Wettbewerb) – 2012 (Fertigstellung)
Spezifikationen und Industrielle Lösungen
PROJEKTPARTNER
Komponente
Partner / Marke
Detaillierte Technische Ausführung
Vertikaler Transport
OTIS Elevators
Hochgeschwindigkeitssysteme mit Zielwahlsteuerung zur Optimierung des Verkehrsflusses in Hochhäusern.
Elementfassade
Sotawall Limited
Engineering und Fertigung eines modularen Fassadensystems (Unitized Curtain Wall) mit maßgeschneiderten Verankerungen zur Aufnahme der Rotationsabweichungen.
Fassade und Glas
Oldcastle BuildingEnvelope®
Installation von Low-E-Wärmeschutzverglasung, die präzise an die elliptische Geometrie angepasst wurde.
Thermische Trennung
Schöck Isokorb®
Integration von tragenden Wärmedämmelementen an Balkonen zur thermischen Trennung (Minderung von Kältebrücken), wodurch die Energieeffizienz maximiert wird.
Bausysteme und Schalung
PERI ACS
Einsatz von selbstkletternder Schalung für die rhythmische Ausführung von Gebäudekernen und Deckenplatten, was die geometrische Verdrehung des Entwurfs ermöglichte.
Gebäudeautomation (BMS)
Johnson Controls
Integration von Gebäudeautomationssystemen (Metasys BMS) zur Optimierung des Energieverbrauchs von HLK (HVAC) und Beleuchtung in Abschnitten mit variabler Geometrie.
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Ein neuer Horizont, an dem die Form der Emotion folgt
Die wahre Avantgarde der Absolute Towers liegt nicht in ihrer schieren Höhe, sondern in ihrer Fähigkeit, urbane Dichte in ein skulpturales Erlebnis zu verwandeln. Indem er bewies, dass es möglich ist, hochkomplexe Strukturen zu errichten, ohne die menschliche Wohnqualität zu opfern, hat Ma Yansong einen neuen Weg aufgezeigt: Einen Weg, auf dem die Tragwerkstechnologie nicht die Starrheit des Lebens diktiert, sich stattdessen beugt, um dieses harmonisch zu umarmen.
Die Herausforderung bestand nicht nur darin, eine schöne Form zu schaffen. Die 360-Grad-Balkone sind keine ästhetische Spielerei, sondern ein Ansatz, um Ausblick und Luft zu demokratisieren. — Dang Qun (MAD Architects)
Wichtigste Auszeichnungen und Anerkennungen
2012 | Emporis Skyscraper Award: Gesamtsieger (Goldmedaille für den besten Wolkenkratzer der Welt).
2012 | CTBUH Awards: Bestes Hochhaus in Amerika (Best Tall Building Americas).
2012 | ArchDaily Building of the Year: Gewinner in der Kategorie Wohnungsbau (Residential Architecture).
2013 | OAA Design Excellence Award: Preis für exzellentes Design, verliehen von de Ontario Association of Architects.
Häufig gestellte Fragen (FAQ) zu den Absolute Towers von MAD:
Wie wird die Rotation von 209° erreicht, ohne die Standsicherheit zu gefährden?
Dies gelingt durch die inkrementelle Verschiebung der Deckenplatten über einem orthogonalen, hochsteifen zentralen Kern. Während der Kern die Torsionslasten aufnimmt, ermöglichte die Tragwerksplanung eine Verdrehung jedes Stockwerks zwischen 1° und 8°, wobei der Schwerpunkt (Massenmittelpunkt) stets perfekt über dem Fundament ausgerichtet bleibt.
Warum hat sich der Spitzname „Marilyn Monroe Towers“ bei Kritikern und Architekten so stark etabliert?
Weil er die perfekte Metapher für anthropomorphe Organik darstellt. Für Ma Yansong bestätigte die Assoziation des Publikums von Beton mit der Fluidität einer menschlichen Silhouette den Erfolg des Projekts: Es war gelungen, hohe bauliche Dichte zu humanisieren und die Starrheit des traditionellen urbanen „Kastens“ aufzubrechen.
Wie werden die vertikalen Lasten abgeleitet, wenn die Außenstützen nicht gerade verlaufen?
Das Bauwerk nutzt ein System sogenannter Walking Columns (mitwandernder Stützen). Da die Geschosse rotieren, verschieben sich die Außenstützen auf jeder Ebene rhythmisch und leiten das Gewicht schrittweise und inkrementell in das Fundament ab.
Warum war die BIM-Modellierung bei diesem Projekt eine kritische Herausforderung?
Die Modellierung der Absolute Towers in Software wie Revit ist aufgrund des elliptischen Grundrisses und der inkrementellen Rotation extrem komplex. Standardmäßige Elementfassadensysteme scheitern beim Versuch, die Profile mit einem statischen Kern abzugleichen, was den Einsatz fortschrittlicher parametrischer Entwurfsmethoden unumgänglich machte.
Welche Funktion haben die vertikalen Linien (Streifen) im Glas der Balkone?
Es wird keramisch bedrucktes Glas (Frit Pattern) verwendet, dessen anorganische Emaillierungen mit der Glasscheibe verschmolzen sind, um lebenslange Haltbarkeit zu garantieren. Ihre Hauptaufgabe ist es, die Privatsphäre und Introspektion der Bewohner zu gewährleisten und direkte Einblicke auf einer so offenen Fassade zu verhindern. Das Muster ist auf mittlere und große Distanz nicht wahrnehmbar, um die skulpturale Silhouette des Turms nicht zu beeinträchtigen; aus der Nähe reduziert es jedoch den Wärmeeintrag und schützt Vögel, indem es die kontinuierlichen Spiegelungen der Verglasung bricht.
Wie übersteht eine „Betonskulptur“ den Winter in Toronto ohne massiven Wärmeverlust?
Dank technologischer Wärmedämmelemente (Schöck Isokorb). Diese Bauteile bewirken eine thermische Trennung, die die Balkone physisch vom Innenraumtrennt. Dadurch wird verhindert, dass der Beton als Kältebrücke fungiert, die Kälte nach innen leitet und so die Energiebilanz gefährdet.
Welche fassadentechnischen Innovationen bietet das Projekt im Bereich der Nachhaltigkeit?
Die umlaufenden 360°-Balkone fungieren als perimetrisches Brise-Soleil. Ihre variable Geometrie verschattet die Verglasung im Sommer (Reduzierung der Kühllast) und erlaubt es der tiefstehenden Wintersonne, tief in die Räume einzudringen und diese auf natürliche Weise zu erwärmen.
Wie wird die technische Gebäudeausrüstung (TGA) in einem rotierenden Turm gelöst?
Die gesamte kritische Infrastruktur ist im statischen zentralen Erschließungskern gebündelt. Da es sich um eine gerade vertikale Achse handelt, verlaufen Abwasserleitungen, Aufzüge und Steigleitungen konventionell nach oben und werden anschließend horizontal in die einzelnen Apartments verzweigt.
Was bedeutete die Auszeichnung des CTBUH für MAD Architects?
Es war ihr globaler Durchbruch. Mit dem Erhalt des Awards für das „Best Tall Building Americas“ im Jahr 2012 bewies das Studio, dass emotionale Architektur und extreme Ingenieurskunst sich auf Augenhöhe mit den Standards der großen etablierten Architekturbüros des Westens messen können.
AECO
Glossar für Architektur und Ingenieurwesen | Absolute Towers, Mississauga
Mitwandernde Stützen (Walking Columns): Tragwerkstechnik, bei der die vertikalen Stützelemente nicht kollinear verlaufen. Aufgrund der kontinuierlichen Rotation der Geschosse verschieben sich die Stützen auf jeder Ebene rhythmisch und leiten die Axiallasten schrittweise und inkrementell ab.
Thermische Trennung (Wärmebrückenminderung): Einsatz hochfester, tragender Wärmedämmelemente mit geringer Wärmeleitfähigkeit zur physischen Entkopplung der auskragenden Balkone von der innenliegenden Geschossdecke. Dies verhindert, dass der Beton im extremen kanadischen Winter als Wärmeableiter fungiert.
Karmansche Wirbelstraße (Vortex Shedding): Aerodynamisches Phänomen, das durch die variable, elliptische Geometrie der Gebäude minimiert wird. Da die Türme keine starren, orthogonalen Kanten aufweisen, wird die Windströmung gestört, was die dynamischen Anströmkräfte drastisch reduziert.
Torsionssteifigkeit: Die Fähigkeit des orthogonalen zentralen Stahlbetonkerns, den Torsionsmomenten zu widerstehen, die durch die Gesamtrotation von bis zu 209° entstehen. Dadurch wird die strukturelle Standsicherheit gewährleistet, ohne die organische Ästhetik zu beeinträchtigen.
Keramisch bedrucktes Glas (Frit Pattern): Verglasung mit eingebrannten Siebdruckmustern, welche die thermische Effizienz der Gebäudehülle optimiert. Das System reduziert den solaren Wärmeeintrag durch Strahlung und minimiert externe Spiegelungen zum Schutz der lokalen Vogelwelt.
Passiver Sonnenschutz (Brise-Soleil): Bioklimatische Entwurfsstrategie, bei der die auskragenden Balkone als natürlicher Sonnenschutz wirken. Ihre variable Tiefe blockiert die direkte Sonneneinstrahlung im Sommer, ermöglicht jedoch die solare Energiegewinnung durch die tiefstehende Wintersonne.
Fortgeschrittene parametrische Modellierung: Algorithmenbasierter Entwurfsprozess mit miteinander verknüpften geometrischen Variablen. Diese Methode war unerlässlich, um die variable elliptische Grundrissform und die inkrementelle Rotation zu steuern, die Werkplanung der Fassadenprofile zu automatisieren und die baulichen Toleranzen mit dem BIM-Modell zu koordinieren.
Selbstkletternde Schalung: Industrialisiertes Bausystem, das mittels Hydraulikzylindern autonom und unabhängig vom Hauptkran nach oben klettert. Diese Technik wurde bei der Ausführung des orthogonalen Betonkerns eingesetzt, um die Taktzeiten der Betonagen zu optimieren und die statische Vertikalität gegen die Torsionskräfte der Deckenplatten zu sichern.
Technische Daten verifiziert durch den Council on Vertical Urbanism (CVU), ehemals CTBUH.
José Miguel Hernández Hernández
Internationaler Experte für die technische Analyse ikonischer und skulpturaler Architektur. Spezialist an der Schnittstelle von Ingenieurwesen, Ästhetik und Avantgarde. Autor der zweisprachigen Fachbücher Turning Torso – Santiago Calatrava und Berühmte Bauwerke / Famous Constructions.
Especialista en el análisis de la Arquitectura Icónica y Escultural y las Obras Maestras del Arte Universal · Autor, Editor Técnico y Consultor AECO
Referente internacional en el análisis técnico de la arquitectura icónica y escultural. Mi trabajo se centra en la intersección entre la ingeniería estructural, la estética de vanguardia y la gestión editorial de contenidos especializados.
Obra Publicada:
Autor de los libros técnicos bilingües Turning Torso – Santiago Calatrava y Construcciones Famosas / Famous Constructions.
En jmhdezhdez.com publico mi archivo personal de investigaciones y análisis técnico sobre los grandes hitos de la arquitectura icónica y escultural, así como las obras maestras del Arte Universal.
En ArquitecturaCarreras.com dirijo la plataforma estratégica y editorial sobre la evolución del sector profesional.
En TuHogarConectado.com lidero la consultoría en Domótica, Smart Home y Movilidad Eléctrica AECO.
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